Besuch bei Verbündeten: Kunst // Teil 1: Akademie Nürnberg

Ab und zu ist es an der Zeit, seine Verbündeten zu besuchen. In diesem Sommer: Besuche bei der Kunst. Wie steht sie da? Womit beschäftigt sie sich? Wohin geht sie? Und im Zentrum: Wozu inspiriert sie?

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Station eins: Kunstakademie Nürnberg, Sommerfest – ein Streifzug durch die Ateliers, an einem tropischen Sommerabend, unter leisem Tröpfeln aus dunklen Wolken. Ein Lagerfeuer in einem der Höfe, Deep Purple im anderen – Sep Rufs Architektur aus den 50ern ist ideal für die facebookisierte Welt, denn sie bildet Nischen für jeden Geschmack. Vor dem grossen stillen und dekorativen Hintergrund der stadträndischen Natur.

Malerei: Für alle die heute malen habe ich Respekt. Schon zehnmal wieder hochgezogen sieht es im Moment endgültig düster aus für die zweidimensionale Abbildung der Welt in Öl, Tempera oder Acryl. Kein Tabu, das noch gebrochen werden kann, keine Konvention, die noch zu sprengen wäre. Nur noch Handwerk, oder Killerinstinkt, führen weg von der Selbstreferenz.

Das muss unlustig machen, und so kommt auch noch der Humor abhanden. Ersetzt durch aalglatte Ironie.

Dürer würde heute nicht malen, sondern Unternehmen gründen, die atemberaubende Apps programmieren und schicke Geräte liefern, mit denen man 3D direkt auf die Netzhaut zeichnet.

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Plastik: gewinnt dank Papier. Inspirierend die Papp-Suite, weil sie vom Lichtschalter bis zur Topfpflanze, vom Flachbildfernseher bis zum Kaminfeuer mit Eisbärenfell der Macht des Faktischen die Macht der Phantasie und des Selbst-Machens gegenüberstellt. Papierplastiken, weiss, und Gipsplastiken, auch weiss, auf Arbeitsgestellen. Tiefes Ausatmen. Irgendwo im Angenehmen angekommen.

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Marshall McLuhan hätte eine Bemerkung dafür übrig, warum die Begegnung mit dem weissen eleganten Objekt im Raum die Kränkung durch mp3 und digitale Konsorten (“wo ist der warme Sound der Vinyl-Lp?”) lindern kann.

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Hi-Tech: Die Gold- und Silberschmieden sind das heimliche Herz der Jahresausstellung – in den Werken vereint sich Formwollen mit Nutzenkönnen. Einfacher gesagt: Sie inspirieren zu Dingen, die kunstvoll, überraschend und brauchbar sind. Bei ihrer Konzeption spielen Intuition und Hi-Tech – Lasercutter, 3D-Plotter – eine beachtliche Rolle.

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Warum ausgerechnet die einzige deutsche Ausbildungsstelle für Geräteschmiede (in Nürnberg!) abgeschafft werden soll gehört zu den Rätseln des Abends.

2 Reaktionen zu “Besuch bei Verbündeten: Kunst // Teil 1: Akademie Nürnberg”

  1. cornelia aus berlin

    Humboldt Box:
    Interessantes Konzept oder Hässlicher Klotz? – in Antworten auf diese Frage scheiden sich die Meinungen. Jedenfalls gibt es nun dies Zusammentreffen von Moderne und Vergangenheit unter den Linden in Berlin.

    http://www.imposante-bauwerke.de/wp-content/uploads/2011/07/humboldt-box.jpg

  2. admin

    Hello Cornelia –
    spannender als das wird es nicht mehr, am Schlossplatz, wenn man sich die jüngste Entwicklung des Konzeptes Humboldtforum anschaut…
    Jochen