Neue Medizin auf alten Wasserwegen | MS Wissenschaft

Die MS Wissenschaft, ein ebenso traditions- wie erfolgreiches Vehikel zur Wissenschaftskommunikation , ist wieder auf Deutschlands Kanälen unterwegs. Thema 2011: Neue Wege in der Medizin. Kurzer Check der seetauglichen Interaktionen an Bord des Propaganda-Schiffes…

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Mechatronik vs. Touchscreen
Wie man an den wenigen auf “echter Physik” basierenden Experimenten sieht, ist der Dauerbetrieb auf dem Schiff mörderisch für Mechaniken. Und gerade die oft gesuchte Partikel-Simulation mit Bällen oder leichten Schaumstoff-Körpern und Gebläsen nutzt sich rasend schnell ab. Ausweg: im Vorfeld monatelang mit Prototypen hantieren. Und mindestens fünf Schulkassen vorab anbranden lassen.
Kehrseite: die Screens spriessen wie die Pilze. Schade eigentlich, denn das bedeutet Verlust an haptischer Vielfalt. Chance der Screens: Stabil laufende, parametrisierbare Animationen, die beliebige Komplexitätsgrade haben können.

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Games vs. Content
Clever ist, ein ausgereiftes Spitzenprodukt wie die Wii-Konsole als Fitnessgerät in den Kontext “Neue Wege in der Medizin” zu stellen.

Weniger clever ist, ein rasantes Spiel wie die “Virenschleuder” zu konzipieren und aufzustellen – wenn als Botschaft bleibt, dass man erstmal drei gleichartige Viren auflesen muss um sie dann auf einen Schlag loswerden zu können. Unsere Lebenserfahrung spricht dagegen, dass das der Weg ist, den die Infektion nimmt.

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Was bleibt?
Echte Erfahrungen, vom Schlage des “Alterungs-Simulators”, in dem mit Metallhandschuhen die im Alter abnehmende Beweglichkeit der Hand  z.B. beim Knöpfen simuliert wird. Oder die Herzschlag-Trommel im Eingang, die den Besucherpuls in (erstaunlich unregelmässige…) Trommelschläge umsetzt.

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Und auch die Erfahrung der Mikroskop – Blicke auf den fein geschnittenen Axolotl bleiben haften (wenn man die Geduld aufgebracht hat, sich auf die Optik einzulassen).

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Was nicht bleibt ist beispielsweise der Vergleich der Grundstoffe des Aspirin auf molekularer Ebene – auch wenn er in 3D zu betrachten war: zu viele Fachbegriffe, die wieder durch Fachbegriffe erklärt werden. (Beachten Sie das Kleingedruckte).
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Was man mal machen könnte…
Kombination super-einfacher Echtwelt-Erfahrung (Bausteine, Handschuhe, Luftkanäle, …) als open-ended Experimente (ohne Zwang zum vollautomatischen Reset) mit dem jeweils spezifischen Inhalt eines Forschungsprojektes verbinden.

Dabei müssen es die Forscher aushalten, dass ihre Forschung nur auf den erinnerbaren  Kern reduziert auftaucht.

Und was toll ist auf der MS Wissenschaft 2011…

…dass man an Bord atmen kann, dass nicht alles vollgestellt ist mit (noch mehr) Information, und dass Dank grosser Farbkleckse über Boden, Wand und Decke fünf unterschiedliche Zonen entstehen. Denn wieviele Dinge waren das nochmal, die unser Gedächtnis halbwegs mühelos behalten kann?
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